Skip to content

Motiviert Gamification zu mehr aktiver Mobilität? Eine Studie zu digitalen Anreizen im Alltag, in der Freizeit und im Urlaub

Gamification – also der spielerische Einsatz digitaler Elemente wie Punkte, Levels oder Belohnungen – gilt als vielversprechender Ansatz, um Menschen zu nachhaltigerem Verhalten zu motivieren. Doch funktioniert das wirklich in der Praxis? Im Rahmen des Leuchtturmprojekts, gefördert durch das Land Tirol, hat unser Projektmitarbeiter Christoph Pachucki mit Studierenden der Universität Eichstätt-Ingolstadt genau das untersucht – mit spannenden und differenzierten Ergebnissen.

08 Juli 2025

Highlights:

  • 512 Personen wurden zu ihrer Einschätzung zu Gamification-Apps im Mobilitätskontext befragt

  • Gamification wirkt nicht automatisch – der Kontext entscheidet

  • Im Alltag zeigen spielerische Inhalte wenig Wirkung – hier dominieren Gewohnheiten

  • Im Urlaub hingegen fördern emotionale und spielerische Inhalte aktive Mobilität

  • Die Art der digitalen Ansprache beeinflusst emotionale, kognitive und soziale Reaktionen

  • Für effektive Wirkung braucht Gamification Klarheit, Nähe und Kontextbezug

 

Wenn Punkte, Belohnungen und Spaß zur Bewegung motivieren sollen – aber nicht immer können

Digitale Anwendungen gehören heute zum Alltag: Wir zählen Schritte, vergleichen unsere Fahrzeiten und bekommen für gesunde oder umweltfreundliche Entscheidungen Punkte oder virtuelle Abzeichen. Die Idee dahinter ist klar: Wer spielerisch belohnt wird, soll eher bereit sein, Gewohnheiten zu ändern – etwa vom Auto aufs Fahrrad umzusteigen oder eine Strecke zu Fuß zurückzulegen.

Im Rahmen des Leuchtturmprojekts wurde nun systematisch untersucht, ob und wie Gamification Menschen zu mehr aktiver Mobilität motivieren kann – also zu Bewegungsformen wie Gehen oder Radfahren. Projektmitarbeiter Christoph Pachucki führte die Studie gemeinsam mit Masterstudierenden im Studiengang „Transformation und nachhaltige Lebensraumentwicklung“ der Universität Eichstätt-Ingolstadt durch.

Das Setting:
512 Personen beantworteten einen umfangreichen Fragebogen. Darin wurden verschiedene digitale Botschaften und App-Szenarien präsentiert – manche sachlich, manche gamifiziert. Untersucht wurde die Wirkung dieser Botschaften in drei unterschiedlichen Kontexten: Alltag, Freizeit und Urlaub.

Die wichtigsten Erkenntnisse:
Gamification funktioniert nicht immer gleich. Der Kontext ist entscheidend.

  • Im Alltag – wo Zeitdruck, Gewohnheiten und feste Routinen dominieren – zeigen spielerische Inhalte kaum Wirkung. Sachliche Informationen oder klare Appellbotschaften scheinen hier wirkungsvoller zu sein.

  • In der Freizeit wirkt überraschenderweise ebenfalls weniger Gamification besser. Menschen bevorzugen hier einfache, nachvollziehbare Informationen ohne spielerischen Überbau.

  • Im Urlaub hingegen entfalten Gamification-Elemente ihre volle Kraft. Emotionale und verspielte Inhalte stoßen hier auf offene Resonanz, fördern Bewegung, stärken das Gemeinschaftsgefühl und erzeugen positive Assoziationen mit nachhaltiger Mobilität.

Was bedeutet das für die Praxis?
Gamification ist kein Selbstläufer. Wer Menschen zu nachhaltiger Mobilität motivieren will, muss die Ansprache kontextsensibel gestalten.
Ein spielerisches Design kann in urlaubsähnlichen Settings positive Effekte erzeugen – im Alltag braucht es aber klare, nahe und sozial relevante Botschaften. Die emotionale Ansprache muss dabei zum Erleben passen.

Fazit:
Die Art digitaler Kommunikation beeinflusst das Verhalten – aber nicht universell, sondern kontextabhängig. Gamification wirkt nicht automatisch, sondern nur dann, wenn sie zur Lebenssituation, den Bedürfnissen und Erwartungen der Nutzer:innen passt. Für eine nachhaltige Mobilitätswende braucht es daher zielgruppengenaue Kommunikation, smarte App-Konzepte und ein tiefes Verständnis für den sozialen und emotionalen Resonanzraum, in dem sie wirken sollen.

Bild erstellt mit Microsoft Designer