Aktive Schulmobilität in der Oberstufe: Das Schulwegerlebnis macht den Unterschied
Mit dem Wechsel in die Oberstufe gehen immer weniger Jugendliche zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule. Die Bachelorarbeit von Dominik Hinterbuchner untersucht, welche Faktoren hinter diesem Rückgang stehen. Die Ergebnisse zeigen, dass weder Alter noch Geschlecht oder äußere Rahmenbedingungen entscheidend sind. Ausschlaggebend ist vielmehr, wie Jugendliche ihren Schulweg erleben. Mehr dazu im Artikel.
17 Aug. 2026
Highlights
- Der Anteil aktiver Schulmobilität sinkt von rund 33 % in der Unterstufe auf nur noch 6 % in der Oberstufe.
- Weder Alter noch Geschlecht innerhalb der Oberstufe beeinflussen, ob Jugendliche aktiv oder passiv zur Schule kommen.
- Aktiv und passiv mobile Schüler:innen unterscheiden sich kaum hinsichtlich ihrer Fähigkeiten oder der wahrgenommenen Rahmenbedingungen.
- Der wichtigste Unterschied liegt im emotionalen Erleben: Aktiv mobile Jugendliche empfinden ihren Schulweg deutlich positiver.
- Die Ergebnisse sprechen für Maßnahmen, die positive Mobilitätserlebnisse schaffen, anstatt ausschließlich über Gesundheits- oder Umweltvorteile zu informieren.
Zusammenfassung
Der Schulweg ist für viele Kinder ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags. Mit zunehmendem Alter verändert sich dieses Mobilitätsverhalten jedoch deutlich. Die Bachelorarbeit Aktive Schulmobilität im Jugendalter – Eine retrospektive Analyse von Veränderungen, Barrieren und Einflussfaktoren aus Sicht von Oberstufenschüler:innen untersucht, warum Jugendliche in der Oberstufe seltener zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen und welche Faktoren diese Entwicklung beeinflussen.
Für die Untersuchung wurden 277 Schüler:innen einer höheren technischen Lehranstalt in Innsbruck befragt. Das Durchschnittsalter lag bei rund 16,5 Jahren. Mithilfe eines Fragebogens, der auf dem COM-B-Modell basiert, wurden sowohl das aktuelle Mobilitätsverhalten als auch die Erinnerungen an den Schulweg während der Unterstufe erhoben. Dabei standen Fähigkeiten, äußere Rahmenbedingungen und verschiedene Formen der Motivation im Mittelpunkt.
Das deutlichste Ergebnis betrifft den Rückgang aktiver Schulmobilität. Während in der Unterstufe noch etwa ein Drittel der Jugendlichen regelmäßig aktiv zur Schule kam, waren es in der Oberstufe nur noch rund sechs Prozent. Dieser starke Rückgang entspricht internationalen Forschungsergebnissen. Die beschreiben den Übergang in eine weiterführende Schule als entscheidende Phase für Veränderungen im Mobilitätsverhalten. Längere Schulwege und neue Alltagsroutinen dürften dabei eine wichtige Rolle spielen.
Überraschend zeigte sich jedoch, dass weder das Geschlecht noch das Alter innerhalb der Oberstufe einen bedeutsamen Einfluss auf die Wahl des Verkehrsmittels hatten. Auch hinsichtlich der wahrgenommenen Fähigkeiten oder der äußeren Bedingungen, z.B. der eigenen Verkehrskompetenz, der Distanz zur Schule oder der Unterstützung durch das Elternhaus, unterschieden sich aktiv und passiv mobile Jugendliche kaum.
Der entscheidende Unterschied lag vielmehr im subjektiven Erleben des Schulwegs. Jugendliche, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs waren, beschrieben ihren Schulweg deutlich positiver als jene, die überwiegend öffentliche Verkehrsmittel oder andere passive Verkehrsmittel nutzten. Dagegen spielten bewusste Überlegungen wie Umwelt- oder Gesundheitsaspekte nur eine untergeordnete Rolle. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht rationale Argumente, sondern vor allem positive Gefühle während des Schulwegs darüber entscheiden, ob Jugendliche aktiv mobil bleiben.
Als mögliche Erklärung verweist die Arbeit auf das städtische Umfeld Innsbrucks. Durch das gut ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz stehen vielen Jugendlichen attraktive Alternativen zum aktiven Schulweg zur Verfügung. Sind die äußeren Rahmenbedingungen für alle ähnlich, gewinnt das persönliche Mobilitätserlebnis an Bedeutung und beeinflusst die Entscheidung stärker als objektive Faktoren.
Empfehlungen für die Praxis & Limitationen
Aus den Ergebnissen lassen sich wichtige Empfehlungen für die Praxis ableiten. Maßnahmen zur Förderung aktiver Schulmobilität sollten weniger auf Informationskampagnen zu Umwelt- oder Gesundheitsvorteilen setzen, sondern gezielt positive Erfahrungen ermöglichen. Denkbar sind beispielsweise gemeinsame Geh- oder Radgruppen, Schulweg-Challenges oder spielerische Anreizsysteme. Gleichzeitig bleiben sichere und attraktive Geh- und Radwege sowie eine fuß- und radfreundliche Gestaltung des Schulumfelds wichtige Voraussetzungen.
Die Aussagekraft der Studie ist durch einige Einschränkungen begrenzt. Die Untersuchung wurde an einer einzelnen Schule durchgeführt, der Vergleich mit der Unterstufe basiert auf rückblickenden Erinnerungen der Jugendlichen. Auch die Zahl aktiv mobiler Schüler:innen in der Oberstufe war vergleichsweise gering. Dennoch liefert die Arbeit wichtige Hinweise darauf, wie aktive Schulmobilität im Jugendalter gefördert werden kann: Weniger durch Überzeugungsarbeit, sondern vor allem durch positive Erlebnisse auf dem Schulweg.
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Bild erstellt mit Google Gemini